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KI · · 5 Min. Lesezeit

Von Lucas Gruber, Gründer von ChiefBoard

Erstmals nutzt die Mehrheit KI, kaum jemand schöpft sie aus: Was Sie daraus machen

Der Bitkom meldet am 14. September 2026, dass erstmals die Mehrheit der Unternehmen KI einsetzt, aber nur 3 Prozent die eigene Nutzung als eher stark bewerten. Was zwischen Einsatz und Wirkung steht und wie Sie in sechs Wochen herausfinden, ob sich ein Einsatz in Ihrem Betrieb rechnet.

Der Digitalverband Bitkom hat am 14. September 2026 eine Presseinformation mit dem Titel „Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI“ veröffentlicht. Danach setzen 57 Prozent der befragten Unternehmen ab 20 Beschäftigten Künstliche Intelligenz ein, nach 36 Prozent im Vorjahr und 20 Prozent im Jahr 2024. Grundlage ist laut Bitkom eine telefonische Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland. 38 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz, 4 Prozent halten das Thema für sich nicht für relevant.

Die zweite Zahl aus derselben Erhebung ist die interessantere. Laut Bitkom bewerten nur 3 Prozent der Unternehmen ihre eigene KI-Nutzung als eher stark, 59 Prozent schöpfen das Potenzial nach eigener Einschätzung überhaupt nicht aus. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst wird in der Mitteilung mit dem Satz zitiert: „Bei KI muss sich niemand abgeschlagen fühlen. Die entscheidenden Schritte stehen bei fast allen noch aus.“ Für Sie heißt das: Der Rückstand, den Sie vielleicht vermuten, ist kleiner als gedacht. Der Unterschied entsteht nicht beim Einstieg, sondern bei der Umsetzung.

Nutzung ist nicht Wirkung

Als Nutzer gilt in solchen Befragungen ein Unternehmen, sobald irgendwo im Haus KI eingesetzt wird. Das kann eine Kollegin im Marketing sein, die sich Textentwürfe erzeugen lässt. Laut der Bitkom-Mitteilung ist die Kundenbearbeitung mit 72 Prozent der häufigste Einsatzbereich, gefolgt von Marketing und Kommunikation mit 54 Prozent. Controlling liegt bei 25 Prozent, Produktion bei 22 Prozent, Vertrieb bei 14 Prozent.

Zwischen „wird benutzt“ und „verändert etwas“ liegt der ganze Unterschied. Ein Werkzeug bewegt Ihre Zahlen erst, wenn es in einem Vorgang steckt, der regelmäßig läuft, wenn eine Person dafür zuständig ist und wenn sichtbar wird, ob das Ergebnis besser geworden ist. Fehlt einer dieser drei Punkte, entsteht Betrieb ohne Ertrag, der in einer Umfrage trotzdem wie Fortschritt aussieht.

Woran es im Alltag scheitert

Die Bitkom-Mitteilung nennt die Hürden aus Sicht derer, die noch nicht einsetzen: 85 Prozent fehlt das technische Know-how, 66 Prozent nennen rechtliche Unsicherheiten, 63 Prozent unkalkulierbare Kosten. In Betrieben, die bereits nutzen, liegen die Blockaden meist anders. Fünf Muster begegnen einem immer wieder:

  • Der Vorgang ist nie beschrieben worden. Wer nicht sagen kann, wie ein Angebot heute entsteht, kann auch nicht sagen, wo eine KI darin Zeit spart.
  • Es gibt keine Ausgangsmessung. Ohne eine Zahl von vorher bleibt jede Verbesserung Gefühlssache, und Gefühlssachen halten der ersten Störung nicht stand.
  • Die Zuständigkeit liegt bei allen, also bei niemandem. Ein Werkzeug ohne Verantwortlichen wird nach drei Wochen stillschweigend wieder abgelegt.
  • Die Ergebnisse werden niemandem gezeigt. Was im Einzelbüro gut funktioniert, wird nicht zum Standard, wenn es dort bleibt.
  • Die Regeln fehlen. Solange unklar ist, welche Daten eingegeben werden dürfen, entscheidet das jeder für sich, meist zu vorsichtig oder zu sorglos.

Ein Vorgang, sechs Wochen, eine Zahl

Der Weg aus den 3 Prozent nach oben führt nicht über eine KI-Strategie für das Gesamtunternehmen. Er führt über einen einzelnen Vorgang, den Sie so eng zuschneiden, dass am Ende ein Ergebnis ablesbar ist. Nehmen Sie etwas, das häufig vorkommt, klar begrenzt ist und heute Zeit kostet: Angebote schreiben, Ausschreibungsunterlagen sichten, Reklamationen beantworten, Rückfragen von Lieferanten klären, Protokolle auswerten. Ein sauberer Ablauf dafür passt in sechs Wochen:

  • Woche 1: Beschreiben Sie den Vorgang in zehn Sätzen und messen Sie den Ist-Zustand. Wie oft im Monat, wie lange pro Fall, wer macht es.
  • Woche 1: Legen Sie fest, welche einzelne Zahl sich ändern soll und um wie viel. Eine reicht.
  • Woche 2: Bestimmen Sie eine zuständige Person, nicht ein Team, und halten Sie schriftlich fest, welche Daten in das Werkzeug dürfen und welche nicht.
  • Woche 2 bis 5: Lassen Sie den Vorgang doppelt laufen, alt und neu, und notieren Sie je Fall die benötigte Zeit und ob das Ergebnis brauchbar war.
  • Woche 6: Entscheiden Sie. Ausweiten, nachbessern oder abbrechen, mit Datum und Begründung festgehalten.

Sechs Wochen sind lang genug für belastbare Zahlen und kurz genug, dass niemand das Interesse verliert. Entscheidend ist der letzte Schritt. Ein Versuch ohne festen Entscheidungstermin läuft weiter, bis er im Sande verläuft, und hinterlässt im Betrieb den Eindruck, KI bringe eben nichts.

Die Kostenseite, ehrlich gerechnet

Rechnen Sie nicht nur die Lizenz. Dazu kommen die Einarbeitung, die Zeit für das Beschreiben des Vorgangs, die Doppelarbeit in der Parallelphase und die laufende Prüfung der Ergebnisse. Das dürfte ein Grund sein, warum 63 Prozent der Nichtnutzer in der Bitkom-Erhebung unkalkulierbare Kosten als Hürde nennen: Die Lizenz ist kalkulierbar, der Rest wird selten aufgeschrieben.

Auf der Nutzenseite zählt, was Sie belegen können. Gesparte Stunden sind erst dann Geld, wenn die Stunde anders verwendet wird, etwa für mehr Angebote oder weniger Überstunden. Kürzere Reaktionszeiten sind erst dann Geld, wenn mehr Anfragen zu Aufträgen werden. Schreiben Sie vor dem Start auf, welche dieser Wirkungen Sie erwarten. Tritt nach sechs Wochen keine davon ein, ist das ein Ergebnis und kein Scheitern.

Laut der Bitkom-Mitteilung berichten 66 Prozent der Nutzer von einer verbesserten Wettbewerbsposition, 48 Prozent von schnelleren internen Prozessen und 45 Prozent von einem messbaren Beitrag zum Geschäftserfolg. Das ist ein Argument dafür, den Versuch ernsthaft zu unternehmen, und keines dafür, ihn ohne Messung zu unternehmen.

Wenn die Frage größer ist als ein Vorgang

Manche Fragen sind größer: ob sich ein Werkzeug über den ganzen Betrieb lohnt, ob Sie eine Stelle besetzen oder den Vorgang automatisieren, in welcher Reihenfolge Ihre Vorhaben sinnvoll sind. Dafür brauchen Sie weniger ein weiteres Werkzeug als jemanden, der die Varianten mit Ihnen durchrechnet und festhält, warum Sie sich entschieden haben. Genau dafür ist ChiefBoard gebaut: Szenarien mit Kosten und erwartetem Nutzen durchspielen, daraus die nächsten Schritte ableiten und jede Entscheidung mit Datum und Begründung im Entscheidungs-Logbuch behalten.

Der Kern gilt aber auch ohne jedes Werkzeug: ein Vorgang, eine Zahl, ein Termin, an dem Sie entscheiden. Wer das zweimal im Jahr durchzieht, gehört in der nächsten Erhebung zu den wenigen Prozent, bei denen KI nicht nur benutzt wird, sondern etwas verändert.